Riten

Es ist ok, wenn du ab und zu deinen Namen vergisst
und dann mitgehst.
Die immer gleichen Lieder verleiten zu den immer gleichen Riten.
In Fahrtrichtung links, dann kommen wir an.
Ein Schluck Wasser an der Ecke, das Gesicht erfrischen.

Manchmal bin ich schon froh
wenn du überhaupt das Haus verlässt.
Dass du nicht mehr im Bett liegst, wenn ich dich anrufe.
Du sagst du starrst die Decke an,
hast Angst den Tag zu sehen
und hältst mir einen Spiegel vor.

Dein Zimmer is ein Loch
die Vorhänge nur geöffnet
wenn du nachts das Rote sehen willst.
All die Bücher – nie betreten,
Leere Zettel sagen dir
dass nichts war.

Deine Freunde wissen wenig
Deine Familie ist stolz.
Du bist der erste hier.

Meistens kommt es dir allein,
mit tausend Tränen
und Schweiß auf der Stirn.

Stundenlang.

Dann ist die Sonne egal.

Selten aber suchst du Halt an meiner Seite
und lässt mich wissen
dass du fällst.

Doch was ich auch sage, darauf kommt es nicht an.
Was ich auch sage, du weißt es sowieso.
Dann bin ich einfach da
und halte deine Hand

so fest ich kann.

Wenn du aber fliegst
und redest ohne Ziel
und lachst und springst und intonierst,
und alle Herzen hauptgewinnst

dann bin ich kalt und reserviert.

Wenn wir wild argumentieren
Pro und Contra stilisieren
glaube ich an jedes Wort
alle Zweifel sind dann fort.

Nur du siehst nicht was in dir steckt,
bist schüchtern, zaudernd, angepasst.

Ich liebe dich für deine Angst
Nicht dass du sie verbergen kannst.

Wenn du aufwachst sollst du sehen
dass es nicht mehr bedarf

als aufzustehen.

Der heißeste Tag

Heute knallt die Sonne endlich
und kaum ist es Mittag
sagen sie im Radio
„Leute, das ist der heißeste Tag des Jahres!“

So eine Frechheit, denke ich.
Woher wollen die das wissen?
Was fällt denen ein?
Es fing doch alles grad erst an,
und da soll es schon wieder 

vorbei sein?

Hab ich alles ausgenutzt?
War ich dabei im entscheidenden Moment?
Oder hab ich
bei der Hitze

dieses Leben doch verpennt.

Dann erklär’s mir.

Du überspannst
deinen Hass.
Sitzt zu Hause
allein.
Was hättest du lachen können!
Was hätten wir uns gefreut
dich fröhlich zu sehen.
Aber die Grenze war verschwommen,
du hast sie einfach nicht bemerkt.
Wolltest niemanden verletzen
oder doch?
Ach fickt euch alle!
Warum weißt du nicht zu schätzen
es ist noch früh,
es ginge noch.
Jede Nachricht, voller Wut
kein Weg zurück
nichts ist mehr gut.
Mit Engelszungen rede ich
Komm doch vorbei, ich liebe dich.
Du würdest gern
Doch viel zu weit
hast du dich verrannt geweint.
Solltest du’s nicht besser wissen?
All die Gespräche, ach verschissen!

Dann kommst du doch,
lässt mich links liegen.
Eifersucht, ja Wut entfacht.
Ich habe alles falsch gemacht.

Aber wenigstens bist du jetzt
bei mir
und für einen kurzen Moment
kommt es mir sogar vor

als wären wir zusammen hier.

Tiere im Wald

Manchmal ist es ganz gut

zu wissen
dass sich jemand fragt
wie es mir geht und womit ich mir die Zeit vertreibe.

Manchmal ist es ganz gut

gefragt zu werden ob ich mit joggen gehe –
nicht weil ich es täte,
sondern weil es mich daran erinnert
mein Fitnessstudio zu kündigen!

Manchmal ist es ganz gut

meine Mailbox abzuhören
und eine vertraute Stimme zu hören.

Manchmal ist es ganz gut

vom Klingeln des Telefons geweckt zu werden
wenn ich schlafe
während andere wach sind.

Manchmal ist es auch gut

Besuch zu bekommen,
wenn ich es rechtzeitig weiß,
damit ich vorher meine Wohnung putzen kann.

Manchmal ist es gut
ein Lebenszeichen von mir zu geben

aber natürlich nur

wenn ich es will.